Von Liebigs Fleischbrühe zum essbaren Kunststoff - ein ganzes Jahr für die fantastische Welt der Chemie
Der 200. Geburtstag des deutschen Chemikers Justus Liebig im Jahr 2003 bot Anlass zum Jahr der Chemie. Ging es dem Chemiker noch um so scheinbar banale Dinge wie „Liebigs Fleischextrakt“ und „Liebigs Säuglingssuppe“ zur besseren Ernährung Schwerkranker und Kindern aus ärmlichen Verhältnissen, so mutet der Themenkatalog des BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) selbst in unserer technisierten Welt futuristisch an.
Von „Kann denn Liebe chemisch sein“ über „Der Feuerlöscher in der Babywindel“ bis hin zu „Ressourcen, Visionen, Verantwortung“ reichten die spannenden den Themen, die auch chemische Laien in ihren Bann zogen.
Chemie zum Anfassen bot der Chemie-Truck, der mit 16,5 Metern Länge durch Deutschland zog und vor Ort fesselnde Experimente aus der Chemie präsentierte. Die "MS Chemie" fuhr in den Sommermonaten über den Rhein, im Gepäck eine Ausstellung rund um die Themen Umwelt, Ernährung, Haus und Verkehr und einem Einblick in den modernen Arbeitsalltag eines Chemikers. In vielen Städten begleitete man das Jahr der Chemie mit Vortagsreihen, Ausstellungen, Lesungen und Filmbeiträgen.
In Stuttgarter Kindergärten ging man der Frage nach, welche Farben in den Smarties stecken, in Schulen begeisterte man die Schüler mit den Experimenten aus Harry Potters Zauberlabor. Doch es ging nicht nur um Gaudi und Spielerei, sondern auch um sehr ernsthafte Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit und Belastung unserer Lebensmittel durch Chemikalien. Jedoch sollte das Jahr der Chemie nicht zu einem Jahr mit dem erhobenen Zeigefinger werden. „Staunen erwünscht“ - war der nicht benannte Untertitel der meisten Veranstaltungen, der im Raum stand. Magische Experimente, bunte. leuchtende, brodelnde Laborexperimente gehören dazu.
Und nicht zuletzt sollten auch gerade junge Menschen für das Fach Chemie, sei es in der Berufsausbildung oder als Studium begeistert werden.
Ins Leben gerufen wurde das Wissenschaftsjahr und speziell auch das "Jahres der Chemie 2003" durch das BMBF zusammen mit der Initiative "Wissenschaft im Dialog" und vielen Chemieorganisationen. Die breite Öffentlichkeit sollte einen Einblick in der Vielfalt der Themenspektren aus der Chemie erhalten. Durch spektakuläre Events, kulturelle Rahmenprogramme, einen Wissenschaftssommer und vielen regionalen Highlights an den Schulen Behörden und Firmen beteiligt waren, wurde in der ganzen Bundesrepublik für diese fesselnde Naturwissenschaft geworben.
Und damit wurde dieses Wissenschaftsjahr 2003 zugleich in einen viel größeren Rahmen und Zusammenhang mit allen anderen Wissenschaften gestellt. Denn das Jahr der Chemie ist nur eine der jährlich stattfindenden Wissenschaftsreihen.
Jeder Wissenschaft ein eigenes Jahr
Forschung als Abenteuer - und dieses Abenteuer währt 2009 schon zehn Jahre lang. Begonnen hat alles im Jahr 2000 mit dem Jahr der Physik. Seither präsentierte sich Wissenschaft nach Wissenschaft. Auf die Physik folgte die Lebenswissenschaften mit den Schwerpunkten Medizin und Gentechnik, es folgte die Geowissenschaft und auch ein Einsteinjahr im Jahr 2005, das den 100. Geburtstags der Relativitätstheorie und zugleich den 50. Todestags des genialen Physiker zum Anlass nahm.
Es folgten eigene Jahre für die Technik ganz allgemein, die Informatik, die Geisteswissenschaften und die Mathematik. Allen Wissenschaftsjahren gemeinsam ist die Aufgabe einerseits die Errungenschaften und Leistungen sowie die täglich Kleinstarbeit von Wissenschaftlern darzustellen, andererseits aber auch immer wieder der Beweggrund Forschung und Wissenschaften den Bürgern und Bügerinnen Deutschlands verständlich zu machen.
Das aktuelle Jahr steht unter dem Motto "Forschungsexpedition Deutschland".
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