Die Situation des Versicherungsgeschäfts ist eine andere als in der Vergangenheit – früher standen zunächst einmal andere Erwartungshaltungen der Erwerbsstruktur gegenüber. Es war aus Sicht der Versicherungen ein Anbietermarkt; die Nachfrage nach Absicherung war groß die Versicherungen hatten freie Hand bei Auswahl und Abschluss. Auch waren die Kaufkraft und der Wunsch nach Absicherung im Alter ein wichtiger Aspekt, den diese Erwerbsgeneration hinterlassen wollte.
Und genauer betrachtet ging das auch bei einer bis anderthalb Generationen gut: Die Kaufkraft war hoch, die Anstellung war sicher und die Rentenquote niedrig. Das Thema Altersabsicherung war bei den Versicherungen also ein lukratives Thema.
Versicherungen sind nicht mehr das was sie mal waren
Doch diese Situation hat sich mehr als nur verändert – sie ist radikal umgeworfen. Aus dem Verkäufermarkt ist ein hartnäckiger Wettbewerb um jeden einzelnen Kunden geworden. Auch die Versicherer selbst, bis hin zum örtlichen Generalvertreter, sind in eine neue Generation eingetaucht und müssen sich völlig anderen Herausforderungen in mehrfacher Hinsicht stellen. Denn nicht nur, dass sich die Versicherungen in Art und Anzahl stark vermehrt haben sondern auch hinsichtlich der Ansprüche des Versicherten.
Die Arbeitsplatzsicherheit ist keinesfalls mehr gegeben, die Kaufkraft fluktuiert und die Rentenquote ist dramatisch gestiegen – dies hat eine fortlaufende demographische Veränderung zur Folge. Nichtsdestotrotz ist das Thema Versicherung nach wie vor im Alltag präsent und auch notwendig: Autos werden zugelassen und es braucht eine Kfz-Haftpflichtversicherung, Arbeitnehmer wollen sich vor finanziellen Ausfällen schützen und benötigen eine Versicherung zur Absicherung – der Bedarf bleibt also.
Nur die Art der Beantragung und die Mündigkeit des Versicherten haben sich stark verändert: Das Internet ermöglicht eine viel schnellere und effiziente Art der Informationseinholung, des Vergleichs und des Abschlusses letztendlich. Der Versicherungsagent ist immer mehr substituierbar – das klingt hart, entspricht aber der Entwicklung in der digitalen Welt. Und wer nicht „wegrationalisiert“ werden will, der muss sich in neue Nischen entwickeln; dazu gehören auch die Versicherungsnehmerveränderungen. Ein Beispiel: Durch die Zunahme der Teilnehmer im Internet verlaufen auch immer mehr Prozesse des alltäglichen Lebens dort. Dazu gehören Einkäufe, Reisebuchungen, Autovergleiche und auch freizeitliche Aktivitäten.
Dadurch entstehen wiederum auch neue rechtliche Situationen und Zwischenfälle – die Anzahl der Rechtsstreitigkeiten, die nach einer Rechtschutzversicherung rufen, werden immer mehr. Freilich ist das nur ein Beispiel für zahlreiche andere Bereiche des gesellschaftlichen Wandels; dennoch zeigt es, dass sich die Bedarfssituation lediglich verschiebt.